Von Nicaragua nach Costa Rica und zurück – und dann ab nach Mexiko. Oder vom gewichtsmässigen Höhepunkt zur guten Besserung. Oder auch: Vom Kaffee zum Capucchino. Ja, es ist einiges passiert in den letzten 6 Monaten.
Die Bewässerung von Kaffee hat sich auch mit den definitiven Resultaten von 2009/2010 nicht als die grosse Revolution bestätigen können. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es unter gewissen Umständen (dann wenn es eben am Wasser mangelt) und bei den notwendigen Begleitmassnahmen einen nenneswerten Effekt geben kann. Allerdings fehlte es an Zeit und Wille der lokalen Partner, um weiter zu forschen und die Pioniere unter den Bauern entsprechend zu unterstützen.
Da ich nicht die Resultate geliefert hatte, die sie sehen wollten, wurde ich bis zum Ende meines Zivildienstes im März von Exportadora Atlantic gerade noch so knapp erduldet. Mein Fokus schwenkte denn auch zunehmend zur technischen Unterstützung von IDE beim Aufbau der lokalen Bewässerungsfirma. Zusammen mit einer Universität plante ich einen Bewässerungsversuch mit Gemüse. Das Interess ist gross, doch der Knackpunkt bleibt: Gemüse ist interssant, aber Bewässerung ist nur ein Teilaspekt neben Anbau und Vermarktung.
Am 28. Februar bestieg ich dann den Bus Richtung Costa Rica. Nach studenlangem Warten in der prallen Sonne an der Grenze traff ich gegen Abend in einem Bed & Breakfast Barbara. Wir hatten uns 5 Monate nicht mehr gesehen, und mussten uns daher erst wieder etwas kennen lernen. Und wir kamen ja auch aus zwei ganz verschiedenen Welten. Im kleinen Surfer-Dörfchen Dominical genossen wir das äusserst friedliche Strandleben. Richtig tropisch feucht und heiss war es da. Und bei meinem zweistündigen Surfversuch realisierte ich, wie schlecht es um meine körperliche Fitness stand. Ich habe mich beim hochstemmen meines unterdessen doch beachtlichen Gewichts so stark verausgabt, dass ich die nächsten zwei Tage gleich mit Grippesymptomen flach lag.
Von Meereshöhe reisten wir zurück über einen 3000m Pass in die Hauptstadt (nur eine lärmige Hotelnacht bleibt in Erinnerung), und dann gleich weiter in den Norden. Costa Rica ist touristisch bestens erschlossen und hat 30% der Landesfläche zum Schutzgebiet erklärt. Als wir in Monteverde (dem verschlafenen Bergdörfchen) ankamen, wurden wir dann fast von Angeboten für Abenteuer- und andere Naturerlebnisse erschlagen. Wir haben uns für Horsback-Riding entschieden, und landeten so bei einer äusserst herzlichen Bauernfamilie (und waren zum Glück nur zu zweit). Offenbar hatten sie etwas zu wenig laut und schrill Werbung gemacht…
Auch die zwei Wanderungen in den Nebelwäldern waren genial. Wir sahen seltene Vögel, bestaunten die kräftig grüne Natur und die gigantischen Bäume, und wir genossen freie Sicht auf den sonst oft in Wolken verhüllten Vulkan. Per “Jeep-Boat-Jeep-Tour” gings dann noch nach Fortuna am Fusse des Vulkans. Und schon waren zwei erholsame Wochen vorbei. Wir nahmen Abschied von Costa Rica, aber zum Glück noch nicht voneinander.
In Nicaragua dann noch zwei Wochen mit Aufräumen, ein letztes Mal mit dem Töff Auf’s-Land-Fahren und erneut Abschied nehmen. Auf Wiedersehen Rumpelbuse und Holperstrassen. Auf Wiedersehen Kaffebäume und Freiluftmetzgereien. Und zum Glück immer noch nicht auf Wiedersehen Baba
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Mit meiner Band schafften wir es sogar noch, ein Abschiedskonzert zu geben. Allerdings kostete mich das die letzten Nerven und noch etwas mehr. Ich habe nach einem Jahr gemeint, Nicaragua und seine Tücken etwas zu kennen. Doch was bis 5 Minuten vor Konzertbeginn alles passierte, würde locker einen eigenen Blog-Beitrag füllen. Der Abschied von den Bauern und meiner Nica-Familie war herzlich, und ich konnte zum Glück sagen, dass ich im September nochmals kurz vorbeischauen werde.
Und dann der Kulturschock: Wir landeten nachts in Mexiko City, wurden von einem älteren und äusserst freundlichen Herrn in Schale empfangen und durch die Grossstadt zu unserem Hotel gefahren. Doch es war nicht ein normales Hotel. Wir landeten in einer Privatsuite in einem der edelsten Quartiere der 25-Millionen-Stadt. Gute Nacht und bis morgen um 10. Doch um Himmels Willen wo nehme ich in so kurzer Zeit Kravatte, Anzug und Lackschuhe her?! Ich konnte ja nicht gut in der braun-blauen Zivildiensthose im Nestlé-Hauptsitz von Mexiko auftauchen.
Mit meinem besten Hemd, den am wenigsten abgeschabten Jeans und ja, in (abgelaufenen) Turnschuhen, wartete ich also am nächsten Morgen vor der Suite auf den Dr. Puente. Das heisst ich muss korrigieren. Denn noch war ich im nicaraguanischen Zeitbegriff drin und musste merken, dass hier das Rechnen in Minuten bereits bekannt ist. 9.59 war er schon da, und ich kam dann kurz nach 10… Dann zum Spiegelhochhaus fahren, Sicherheitkontrolle, Computer registrieren, Lift fahren, gratis Nescafé trinken am Automaten und Nestlé Wasser, und überall freundliche Menschen in Kravatte und Schale begrüssen. Und nun mussten wir eine Präsentation für den nächsten Tag vorbereiten.
Gut, habe ich keine grösseren Probleme mit der Nervosität bei Vorträgen. Und gut, kann ich doch noch nicht perfekt Spanisch: So blieb während dem Vortrag keine Zeit, um an meine Verkleidung zu denken… Es kamen die Chefs der Landwirtschaftsabeteilungen der mexikanischen Milchfabriken und der höchste Bauer von Nestlé aus der Schweiz (Hans Joehr, der ca. einmal in 5 Jahren kommt). Das erfreuliche war, dass sehr viel Interesse für das RISE-Projekt spürbar war. Es war auch diesbezüglich ein Kulturschock: Die wollen wirklich etwas verändern und sind sogar bereit, etwas dazu beizutragen!
Die Einstiegshürde war also geschafft. Nach 4 Tagen reisten wir nach Lagos de Moreno im Staat Jalisco, ca. 450km nördlich der Hauptstadt auf 1950m liegend. In dieser gemütlichen Kleinstadt lebe und arbeite ich seither. Ich konnte noch etwas mehr als einen Monat zusammen mit Barbara hier geniessen. Auf Wochenendausflügen lernten wir einige Kolonialstädte in der Umgebung kennen und reisten auch zweimal in die faszinierende Hauptstadt. Ja, es brauchte fast 2 Monate bis wir uns wieder so richtig gut kannten. Zum Glück konnte sich Baba einen so langen Urlaub leisten.
Wer sich etwas genauer für meine Arbeit hier interessiert der findet vorerst allgemeine Infos in der rechten Spalte unter RISE und Nachhaltige Milch für Mexiko. Werde bestimmt mal noch etwas ausführlicher darüber berichten. Nur so viel: Das Arbeitsklima ist ausgezeichnet, die Unterstützung und das Interesse der lokalen Mitarbeiter ist gross und der Auftrag ist spannend. Ich wohne in einer gemütlichen Wohnung, füttere eine zugelaufene Katze und geniesse seit dem 15. Mai das Einsiedlerleben (nicht das Single-Leben). Unter diesen stabilen Lebensumständen, dank täglichem Sport und mit deutlich weniger Bohnen im Teller nähere ich mich nun langsam wieder dem Normalgewicht. Erste vorher-nachher Vergleichsbilder folgen später (es fehlt no es bitzeli…).































































